Bei Kontrollen von Personen nutzt die hessische Polizei künftig eine neue Gesichtserkennungs-App, die innerhalb von Sekunden anzeigen soll, ob die kontrollierte Person polizeilich bekannt ist. Wie der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) mitteilte, greift die App auf den Datenbestand des Bundeskriminalamtes zu und gleicht die biometrischen Daten ab. Dadurch werde ermöglicht, Tatverdächtige direkt vor Ort zu identifizieren. Es sei nicht mehr notwendig, eine tatverdächtige Person, die keine Papiere bei sich habe, mit auf das Revier zu nehmen. Am Donnerstagabend setzte die Frankfurter Polizei die neue Software bei einer Razzia im Frankfurter Bahnhofsviertel ein. Im Frankfurter Polizeipräsidium laufe die App seit einigen Wochen schon im Probebetrieb. Wie aus der Behörde zu hören ist, „mit großem Erfolg“. Es sei schon in zahlreichen Fällen gelungen, Personen, die einer Straftat verdächtig gewesen seien, auf diese Weise zu identifizieren. Entwickelt wurde die Anwendung von Polizisten und Technikern in einem Gemeinschaftsprojekt des hessischen Landeskriminalamts, des Bundeskriminalamts sowie des Innovationshubs 110, einer Abteilung der hessischen Polizei, die sich mit technologischen Neuerungen befasst, die für die Polizeiarbeit von Nutzen sein könnten. Wie ein Sprecher der Polizei sagte, dürften ausschließlich Personen gescannt und abgeglichen werden, bei denen der Verdacht einer Straftat besteht. Nach den Worten Posecks ist eine Anwendung in dieser Form bisher einmalig in Deutschland. Sollte sich das Pilotprojekt bewähren, würden in einem nächsten Schritt auch andere Polizeipräsidien mit einbezogen. Bisher gibt es in Hessen schon die Möglichkeit, Personen, die keine Papiere mit sich führen, über einen Fingerabdruck-Scan zu identifizieren. Ein Sprecher sagte, das sei jedoch kein mobiles System. Nur in Ausnahmefällen habe man den Fingerscanner in Einsätzen nutzen können. Fast immer habe der Tatverdächtige mit auf das Revier kommen müssen, das habe Zeit gekostet und Kapazitäten gebunden.
